Glauben

Um stimmig und sinnvoll in unserem Leben einen Platz zu haben, ordnen wir uns selbst in einen umfassenden Kontext ein.  Man könnte fast sagen, den Sinn, den jeder von uns in seinem Leben und für seine Existenz findet, wird von der stimmigen „Trinität“ aus Gottesbild, Weltbild und Menschenbild bestimmt. Da Gott (was auch immer wir darunter verstehen) nur im Glauben gefunden werden kann, ist so ein stimmiges Bild nicht durch unser naturwissenschaftliches Wissen allein zu finden.

Glauben…
  • Im alltäglichen Sprachgebrauch für „Vermuten“
  • Im religiösen Kontext für „Vertrauen, feste Zuversicht, Hoffnung“
  • Glaube ist die persönliche innere Vorstellung von der Welt (Weltbild) und dem eigenen Platz darin (Menschenbild/Selbstbild).
  • Dieser Glaube ist geprägt von dem religiösen und kulturellen Umfeld in dem der Mensch aufgewachsen ist bzw. lebt, ist aber praktisch nie identisch mit dem, was die zugehörige Religion bzw. Glaubensgemeinschaft sagt.
  • Während ich erst im nachhinein wirklich Wissen kann, entscheidet meine Vorstellung von der Welt, von mir und meinen Mitmenschen über mein Verhalten, meine Gefühle, die Art wie ich mit mir und dem Nächsten umgehe.
  • Das gilt übrigens für alle. So, wie man nicht nicht kommunizieren kann, so kann man auch nicht nicht glauben. Unser Gehirn wäre hoffnungslos überfordert und wir zu keinem Handeln fähig, wenn unser Glaube, wie auch immer er aussieht, uns nicht geschmeidig durch die kleinen Unsicherheiten des Alltags leiten würde.
Welt-Bilder

Nehmen wir mal zwei bekannte Theorien: die beiden Schöpfungsberichte in der Bibel, versus Urknall- und Evolutionstheorie. Was als erstes auffällt: die beiden Ersten sind deutlich kürzer. Wir neigen dazu, die dann etwas plastisch auszuschmücken, vor allem mit Bildern, wie die vielen Darstellungen von Adam und Eva im Paradies zeigen.

Urknalltheorie und Evolutionstheorie sehen aber auch so aus als wären sie längere Fassungen der Schöpfungsgeschichte. Gut, Gott kommt nicht vor, die Zeiten sind etwas großzügiger, aber ansonsten passt die Reihenfolge, in der die Lebewesen entstanden sind, zu der ersten Schöpfungsgeschichte (Genesis 1,1–2,3(4a) ).

Ab Genesis 2,7 wird die Schöpfung aus der Sicht des Menschen beschrieben. Als erstes wird der aufwachsende Mensch mit der Umwelt konfrontiert, die er entdeckt und der er Namen gibt. Dann begegnet ihm sein Gegenüber, der Erwachsene begegnet seiner Partnerin. (Nicht umsonst heißt es später immer wieder: „… er erkannte sein Weib und zeugte…“) Im Zuge des Zusammenlebens schieben sich die Beiden dann gegenseitig die Verantwortung für ihr eigenes Fehlverhalten in die Schuhe und müssen deshalb das Paradies verlassen.

Ich finde es sieht so aus, als ob man von verschiedenen Perspektiven aus auf das gleiche Ereignis blickt. Eine wissenschaftliche Theorie, die ich persönlich ziemlich spannend finde, verlinke ich hier. Ich habe den Artikel für mich ins Deutsche übersetzt um das Konzept wirklich zu verstehen. (Wer die Übersetzung gerne haben möchte, maile mir, einfach hier verlinken kann ich sie aus urheberrechtlichen Gründen nicht.)

Das zeigt: es gibt viele Welterklärungen. Alle zeigen nur eine bestimmte Perspektive. Also kein Stress, niemand war dabei, auch die eifrigsten Verfechter mit den tollsten Titeln müssen ihrer Theorie glauben.

Leisten wir uns doch einfach mal einen Perspektivwechsel und betrachten die Welt von einer anderen Seite

Sabine Wernecke
Wissenschaften

Die Naturwissenschaft betrachtet die Welt die sie erforschen kann. Was sie nicht erforschen kann, wird in ihre Theorien nicht einbezogen. Das tatsächliche Wissen aus der Wissenschaft ist eine Ansammlung von Einzelstücken, die von Modellen und Theorien in einen Zusammenhang gebracht werden, damit ein sinnvolles Bild entsteht.

Dieses Bild kann keinen Gott enthalten, ihn aber auch nicht ausschließen. Daher ist jede Diskussion die beweisen will, ob die naturwissenschaftlich erkennbare Welt in eine transzendente Wirklichkeit eingebunden ist oder nicht, per se fruchtlos.

Je nach Kultur und Verständnis erscheint uns diese oder jene Theorie richtig. Die gleichen Fakten in einem anderen Zusammenhang dargestellt, führen auch zu einem anderen Weltbild.

Die Geschichtswissenschaft untersucht Quellen und versucht die erkennbaren Fakten in einen angemessenen Kontext zu bringen. Es gilt z.B. als relativ sicher, dass Jesus Christus wirklich gelebt hat. Er ist eine historische Persönlichkeit. Auch sein Kreuzestod und seine Auferstehung werden unter Historikern nicht abgestritten.

Wenn ein Physiker und ein Literaturwissenschaftler diskutieren ob Jesus gelebt hat, dann diskutieren hier zwei Laien. Eine wissenschaftliche Diskussion wäre es erst, wenn ein Historiker Fachgebiet „Quellenforschung Römisches Reich“ mit einem Historiker Fachgebiet „Frühchristentum“ diskutiert, aber dann würde weder der Physiker, noch der Literaturwissenschaftler viel mehr verstehen als du oder ich.

Jesus als seinen Heiland und Erlöser zu betrachten ist immer eine Sache des persönlichen Glaubens, zu dem man sich entscheiden muss.

Sabine Wernecke
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