Ziel und Richtung

Es ist oft üblich sich Ziele zu setzten… das ist aber nicht immer glücklich, denn Ziele kann man erreichen oder auch nicht. Im ersten Fall kann man dann befriedigt zurücksehen, sich feiern und sich nach einem neuen Ziel umsehen. Erreicht man es nicht, kann man deprimiert sein, die Zeit als vergebens ansehen, schlimmstenfalls sein Leben als verpfuscht.

Wie ist das mit der Richtung? Da setzt man sich kein Ziel, das man erreichen oder nicht erreichen kann, sondern legt eine Richtung für sich fest, in die man sich bewegt. Es ist eher wie ein Spaziergang… ach da, dieser Weg führt noch oben, durch den Wald, vielleicht ja auf den Berg, da habe ich dann eine schöne Aussicht. Man genießt den Wald, wenn eine Weggabelung kommt, orientiert man sich weiter an seinen eigenen Wünschen und Werten und behält ansonsten Tempo und Richtung bei, oder legt auch mal ne Pause ein.

In „Momo“ von Michael Ende, sagt der Straßenkehrer Beppo, sinngemäß, dass die lange Straße, die er fegen soll, zu überwältigend ist, als dass er an die ganze Straße denken kann. Er konzentriert sich auf jeden einzelnen Schritt und dabei bewältigt er die ganze Straße.

Da ungefähr liegt der Unterschied zwischen Ziel und Richtung:

In dem einen Fall habe ich eine idealisierte Vorstellung, der ich im Alltag nachzueifern suche… und die dann, wenn ich sie nicht genau so erreiche, wie ich mir das vorher vorgestellt habe, zum Grund wird, mich unperfekt, fehlerhaft oder unzulänglich zu fühlen.

Im anderen Fall mache ich mich auf Entdeckungsreise, suche in der von mir gewählten Richtung nach spannenden Erlebnissen und neuen Menschen, entdecke neue Welten und dabei öffnen sich immer mehr Perspektiven und immer wieder neue Handlungsoptionen. Ich werde zunehmend mächtiger, in dem Sinne, dass sich mit zunehmender Erkenntnis auch Wissen und Fähigkeiten erweitern, mein Mut wächst, damit zu arbeiten, sich meine Persönlichkeit entwickelt.

Sich Ziele setzten lenkt von dieser Persönlichkeitsentwicklung ab und schiebt etwas Abstraktes in den Fokus. Dann fällt es uns auch nicht so auf, wenn die Mittel und Wege auf denen wir unser Ziel erreichen wollen vielleicht nicht so ganz redlich sind. Es gibt nicht umsonst den netten Spruch: Der Weg ist das Ziel.

Wenn wir das konsequent durchdenken , dann wissen wir, das „letzte Ziel“ ist sowieso nicht erreichbar. Aber wenn wir schon mal in die richtige Richtung gehen, Schritt für Schritt, im Bewusstsein unserer Unzulänglichkeiten aber mit dem Vertrauen darauf, dass sich schon die richtigen Türen öffnen und die richtigen Helfer finden werden, dann schaffen wir das Unmögliche… wers glaubt, mit Gottes Hilfe…

Wers nicht glaubt… lese mal die alten Märchen… oder probiers einfach aus…

Sabine 29.12021