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Gebet – Meditation

meiner Meinung nach das Gleiche, nur genau anders herum.

Wir Christen wenden uns im Gebet an Gott, sprechen also ein „Du“ an. Das ist dann je nach Tradition z.B. ein Gebet, aus einem Gebetbuch, in dem vorformuliertes Lob oder Dank und Bitte zum Ausdruck kommen. Oder, so wie ich es verstehe, schlicht ein Gespräch mit Gott.

Ein Gespräch ist immer mal verschieden. Ist uns Gott nahe, dann reden wir mit ihm wie es uns gerade einfällt, aber ob Gott uns nahe ist, entscheiden wir selbst. Unser Bild von Gott, bestimmt auch unser Gebet. Ist Gott so etwas wie ein Erfüllungsgehilfe unserer Wünsche, dann gleicht ein Gebet leicht einem Einkaufszettel. Oder ist er ein Freund?

Und was ist dann Meditation? In der Meditation wendet sich der Mensch von der äußeren Welt ab und seinem eigenen Inneren zu. Ein Sinn ist, sich die Einflüsse von Außen bewusst zu machen und darunter den eigenen Kern zu finden. Der Meditierende lässt sich geistig fallen, bis er das Einssein mit dem Universum findet.

Wenn ich mir den Unterschied, bzw. die Gemeinsamkeiten dieser beiden geistigen Praktiken verdeutlichen will, habe ich immer wieder den Straßenverkehr vor Augen.

Wir hier in Europa fahren mit Autos, die das Lenkrad links haben, auf der rechten Seite der Straße. In Großbritannien ist es umgekehrt. Darum ist auch dort Vieles genau anders herum, wie z.B. die Fahrtrichtung (oder Drehrichtung?) im Kreisverkehr. Der Sinn ist aber in beiden Kreisverkehren derselbe. Ich komme an eine Stelle meines Weges, an der ich neu entscheiden kann: Will ich in der gleichen Richtung weiter fahren, oder nutze ich diese Stelle für eine Kurskorrektur?

Und genau das ist auch das Gebet oder die Meditation. Eine Stelle meines Weges, an der ich neu entscheide.

Im Gebet wende ich mich an Gott, bespreche mit ihm meinen Kurs und verlasse den „Kreisverkehr“ neu ausgerichtet.

In der Meditation lasse ich das Äußere zurück und begebe mich zum Grund allen Seins, aus dem ich, gereinigt und neu ausgereichtet, wieder aufsteige.

Beides ist kein Selbstzweck, sondern Ruhepause zur Ausrichtung. Im jeweiligen kulturellen Kontext ist es sozusagen die „Drehrichtung im Kreisverkehr“. Das Gebet ist die abendländisch-monotheistische Variante, die Meditation entsprechend die asiatisch-buddhistisch-hinduistische.

Das Bedürfnis seinen Kurs anzupassen hat aber auch nur der, der unterwegs zu einem Ziel ist. Da stehen dann die Betenden und Meditierenden denen gegenüber, die nicht beten und nicht meditieren. Die einen sind unterwegs zu einem Ziel, das die anderen nicht kennen.

Sind es verschiedene Ziele?